Montessori-Pädagogik: Pädagogische Grundsätze

Der Ausgangspunkt für die Herausbildung des Methodenansatzes Maria Montessoris war die Beobachtung. Allein aus der stillen Beobachtung von Kindern in ihrem Spiel und in weiteren Alltagssituationen folgerte sie mehrere Gesetzmäßigkeiten, die die späteren pädagogischen Prinzipien ihrer Methodik prägen sollten. So hat sie in ihren Studien festgestellt, dass Kinder nur in ganz bestimmten Zeitfenstern besonders aufnahmefähig und empfänglich für bestimmte Lernprozesse und die Aneignung von Fähigkeiten sind. Sie nannte diese Zeitfenster die „sensiblen Perioden“.

In diesen sensiblen Perioden folgt das Kind seiner inneren Stimme und beschäftigt sich – wenn die äußeren Umstände dies zulassen – zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt mit genau dem Objekt, das ihm ganz bestimmte neue Fähigkeiten beschert. Eine der wichtigsten Voraussetzungen hierfür ist die Gestaltung des unmittelbaren (Lern-)Umfelds. Nur wenn die Umgebung bestmöglich auf die jeweiligen Interessen und Lernbedürfnisse des Kindes zugeschnitten und darauf vorbereitet ist, kann in der sensiblen Phase der besonderen Empfänglichkeit für ganz bestimmte Lerninhalte und Lernprozesse Rechnung getragen werden. Das heißt: indem Erzieher und Lehrer eine „vorbereitete Umgebung“ schaffen, welche die Kinder anregt und zum eigenständigen Tun einlädt, ist die Grundvoraussetzung für die Entfaltung des kindlichen Forscherdrangs geschaffen. Wichtig dabei: das Angebot an Lernmaterialien und Hilfsmitteln muss übersichtlich sein und darf nicht zu einer „Qual der Wahl“ oder gar einer Reizüberflutung führen.

Findet das Kind während seiner sensiblen Phasen optimale innere und äußere Rahmenbedingungen vor, vollzieht sich etwas, das als zentraler Aspekt der montessorischen Pädagogik gilt: das Kind ist zu größter anhaltender Konzentration fähig, vergisst regelrecht seine Umwelt und ist völlig in sein Spiel oder seine „Arbeit“ versunken. Dabei ist es in der Lage, eine Übung 20, 30 oder 40 Mal zu wiederholen, ohne zu ermüden, sondern anschließend zufrieden und entspannt an die nächste Arbeit zu gehen. Montessori nennt dies die „Polarisierung der Aufmerksamkeit“ und stellt dazu fest, dass diese höchste Aufmerksamkeit weder angeordnet noch künstlich hervorgerufen werden kann. Vielmehr ist ihr Eintreten abhängig von der intuitiven, freien Wahl des Spiel- bzw. Lernmaterials durch das Kind selbst, der Berücksichtigung der entsprechenden sensiblen Phase durch die Erwachsenen und der Möglichkeit, eine Übung oder ein Spiel so oft zu wiederholen, wie das Kind dies möchte. Die polarisierte Aufmerksamkeit spielt eine solch wichtige Rolle in der Pädagogik Montessoris, dass sie um dieses Phänomen herum ihre weiteren Bausteine entwickelte. Sowohl die Materialien als auch die Lernumgebung wurden von ihr so gestaltet, dass sie diese sehr tiefe Konzentration der Kinder erst ermöglichen.